Vom Daumenkino zum Animationsfilm

Zielgruppe: Kinder ab 4 Jahren
Dauer: 1 Tag bis 1 Woche
Technik / Material: Tablet, Beamer zum Präsentieren, Stativ oder Halterung für das Tablet,
Tisch als Bühne, Material für die Gestaltung der Geschichte
Software: App Malkino für iOs; Testversion kostenlos, Vollversion für iOs 0,98 €
App Lego Movi Maker für iOs oder Android
Lernziele: Fantasie und Kreativität fördern, Film-Narration verstehen, Trickfilm – Wie kommt Bewegung in den Film?, Malen, Basteln und Gestalten mit unterschiedlichsten Materialien
Animationsfilm selbst erstellen, neue Apps kennenlernen, Wirkung von Bildern einschätzen lernen, Film verstehen
Gemeinsam eine Geschichte entwickeln, Absprachen treffen, Aufgabenbereiche verteilen, Verantwortung übernehmen
lego movie

Zu den Lieblingsfilmen von Kindern zählen in erster Linie Zeichentrick- und Animationsfilme. Mit dem Projekt wird Kindern die Funktionsweisedieser Filme bis hin zum klassischen Spielfilm nähergebracht. Dabei durchlaufen sie die unterschiedlichen Entwicklungsschritte eines Zeichentrickfilms vom Einzelbild bis hin zum fertigen Film.
Der Zugang zu Bewegtbildern erfolgt über das klassische Daumenkino. Hier können Kinder anhand selbst gemalter Einzelbilder, die zu einem Daumenkino zusammengefasst werden, die Entstehung von Bewegung nachvollziehen und selbst kreativ gestalten. Im nächsten Schritt wird das Prinzip des Daumenkinos mithilfe der App „Malkino“ in eine digitale Form gebracht. Wieder werden Einzelbilder selbst gemalt, diesmal in der App. Spannend wird es, wenn das Ergebnis abgespielt wird und aus den Einzelbildern ein tatsächlicher Film entsteht. Die gemalten Einzelbilder erhalten nun auf fast magische Weise ihre Bewegung.
Anhand dieser beiden Schritte wird für Kinder klar, dass Film grundsätzlich aus vielen aneinandergereihten Einzelbildern besteht. Je mehr Einzelbilder mit ganz ähnlichen Inhalten gezeichnet werden, umso realistischer und flüssiger wird die Bewegung später im Film zu sehen sein. Je größer die Unterschiede in den Einzelbildern gestaltet sind, umso komischer, verfremdeter, skurriler wird die Bewegung.

Im zweiten Teil des Projekts wird eine selbst erdachte Geschichte gestaltet und animiert. Dabei kommt die App Lego Movie Maker zum Einsatz. Grundsätzlich lässt sich damit alles animieren, also in Bewegung setzen. Anders als beim Daumenkino wird hier mit Fotos gearbeitet, die jeweils eine minimal veränderte Situation abbilden und hintereinandergesetzt und abgespielt die Bewegung ergeben. Die Lego-Movie-Maker-App enthält außerdem Filter und Effekte, mit der die Fotos verfremdet werden können oder mit deren Hilfe eine besondere Stimmung in den Film gebracht werden kann. Musik und Sounds stehen ebenfalls in der App zur Verfügung. Daneben besteht die Möglichkeit, auf die eigene Musikbibliothek zuzugreifen. Zusätzlich gibt es die Funktion, eigene Geräusche oder Töne aufzunehmen und unter die Bilder zu legen, um die emotionale Wirkung zu verstärken. Am Ende steht eine als Legetrick (2D) oder als Stelltrick (3D) gestaltete Geschichte in Form eines Films, der auf jedem Medium abspielbar ist.

So wirds gemacht

Der Einstieg kann über das Anschauen eines kurzen Zeichentrickfilms erfolgen, z.B. ein kleiner Maus-Clip, und parallel dazu über ein fertiges Daumenkino, in dem Ähnliches passiert. Reflektiert wird mit den Kindern über die Themen Zeichentrickfilm – Film aus gemalten Einzelbildern und die Entstehung von Bewegung. Im nächsten Schritt wird Bewegung selbst hergestellt durch das Malen eines eigenen Daumenkinos. Möglichst einfache Bewegungen lassen sich am besten zeichnen (laufende Figur, fliegender Ball, fahrendes Schiff etc.). Durch die Veränderung der Position wird die Bewegung sichtbar gemacht.

Im nächsten Schritt kommt das Tablet mit der App Malkino zum Einsatz. Hier geschieht zunächst das Gleiche wie beim Daumenkino. Kinder malen in der App eine einfache Bewegung (laufende Figur, fliegender Ball, fahrendes Schiff etc.). Die App bietet die Möglichkeit, eigene Töne und Sounds aufzunehmen, z.B. kann die Figur etwas sagen, das Schiff bekommt einen Motor etc. Am Ende werden die selbst gezeichneten Einzelbilder hintereinander abgespielt und damit als Tonfilm animiert und gespeichert.
Zur Durchführung dieser beiden Schritte sind für Kindergartenkinder zwei halbe Tage einzuplanen. Das Projekt lässt sich allerdings auch ohne Einstieg über das Daumenkino und das Malkino durchführen, dann ausschließlich als Stop-Motion-Projekt.

Je nach Komplexität der ausgedachten Geschichte lässt sich ein Stop-Motion-Film schon an einem Tag verwirklichen. Dabei ist zunächst festzulegen, ob es ein Stell- oder ein Legetrickfilm werden soll. Für den Legetrick muss das Tablet die Szene von oben fotografieren, also auf einem Stativ über der Szene befestigt sein. Die Szene wird durch 2D-Figuren, beispielsweise gemalt und ausgeschnitten aus Papier und in einen Hintergrund platziert, gestaltet. Für den Stelltrick braucht es eine Bühne mit Hintergrund, auf der die 3D-Figuren sich bewegen lassen. Das Tablet ist auf einer Halterung frontal vor der Bühne montiert. Grundsätzlich sind in beiden Formen unterschiedliche Einstellungen möglich und sinnvoll. Um Bewegungen möglichst flüssig aussehen zu lassen, sind 8–12 Bilder pro Sekunde (einstellbar als „fps“) sinnvoll. Bei weniger als 8 Einzelbildern wirken die Bewegungen ruckartig und verfremdet. Für jedes Einzelbild müssen die Figuren (minimal) bewegt werden. Dabei hilft die Funktion „onion skinning“ in der App, die die Position der Figuren im gerade gemachten Bild über die Position der Figuren im nächsten Bild blendet. Die Verschiebung/Bewegung der Figur wird damit sichtbar und kontrollierbar. Für die Fertigstellung des Films hält die App Musik und Geräusche bereit und enthält außerdem eine Aufnahmefunktion für eigene Töne.

Als Einstieg für ältere Kinder eignet sich ein vorher ausgewählter Brick-Film entweder aus der Galerie der Lego-Movie-Maker-App oder aus YouTube.
Die Kinder denken sich zunächst ihre Geschichte aus und halten in einem Storyboard die einzelnen Szenen fest.
Im zweiten Schritt werden Figuren und Hintergründe gebastelt, die dann im letzten Schritt mit dem Tablet aufgenommen werden. Wichtig ist, dass sich die Bühne auf einem fest stehenden Tisch befindet, der Hintergrund nicht verrutschen kann und das Tablet ebenfalls auf einer nicht wackelnden Halterung montiert ist. Dann kann die Produktion beginnen, und die Kinder teilen sich auf, um die einzelnen Figuren zu bewegen und den Auslöser am Tablet zu bedienen. Kontrolliert werden können die gemachten Fotos direkt nach dem Auslösen. So wird auch die Korrektur zu großer Bewegungen oder noch vorhandener Finger auf den Fotos durch sofortiges Löschen unproblematisch.
Zum Abschluss des Projekts sollte der fertige Film am besten auf einer großen Leinwand präsentiert werden.