Medien im Bildungseinsatz

Lernen mit und über Medien

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Die Faszination und Begeisterung, die Kinder Medien und ihren Inhalten entgegenbringen, birgt eine große Motivation in sich, die für den Bildungsprozess nicht ungenutzt bleiben sollte. Durch den aktiven und kreativen Umgang mit Medien erhalten Kinder einen Blick hinter die Kulissen der Medienwelt: Sie lernen, wie Medien gemacht werden. Dadurch kann eine kritische Auseinandersetzung und bewusstere Mediennutzung gefördert werden. Kinder erhalten so auch die Möglichkeit, Medien als Ausdrucks- und Gestaltungsmittel kennenzulernen. Und dass Medienkompetenz längst zu einer Schlüsselqualifikation in unserer durch und durch mediatisierten Welt geworden ist, darüber herrscht weitgehend Einigkeit.

Was ist Medienkompetenz?

Der Medienpädagoge Dieter Baacke versteht Medienkompetenz als Teil kommunikativer Kompetenz und hat den Begriff in die vier Dimensionen Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung gegliedert.
Es geht also explizit nicht nur um das Bedienen von technischen Geräten, sondern darum, Medien für eigene Zwecke und Bedürfnisse verwenden zu können, sich kritisch und kompetent mit Medien und ihren Inhalten und Wirkungen auseinanderzusetzen und auch eigene Medienbeiträge erstellen zu können.

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Medienbildung

Mit der Empfehlung Medienbildung in der Schule hat die Kultusministerkonferenz im März 2012 darauf hingewiesen, dass Medienbildung ein wesentlicher Bestandteil heutiger Bildung ist: “Die Entwicklung von umfassender Medienkompetenz durch Medienbildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur im Zusammenwirken von Schule und Elternhaus sowie mit den Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Kultur bewältigt werden kann.” (S. 3)

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Medienbildung umfasst alle Bildungsaktivitäten, die darauf abzielen, Kinder medienkompetent zu machen.
Lernen über und durch Medien sollte die altersgemäße, spielerische und handlungsorientierte Auseinandersetzung mit folgenden Bereichen umfassen:

  • Welche Medien gibt es? Wie funktionieren die?
  • Wofür brauche ich die? Wie nutze ich Medien? Wann schalte ich sie aus?
  • Wie werden Medien gemacht? Wie kann ich selbst “Medien machen”?

Medienbildung meint auch das Lernen mit Medien,
also den Einsatz von Medien als Werkzeuge im Bildungsprozess:

  • als Ausdrucks- und Gestaltungsmittel eigener Ansichten, Ideen, Überlegungen
  • als Informationsquelle
  • zur Dokumentation von Prozessen und Ergebnissen
  • zur Präsentation und Veröffentlichung von Prozessen und Ergebnissen

Medien in den Bildungsplänen

Das Verfassen von Bildungsplänen ist Ländersache, entsprechend unterschiedlich sind die Richtlinien in den verschiedenen Bundesländern (vgl. dazu Medienkompetenzförderung für Kinder und Jugendliche. Eine Bestandsaufnahme. BMFSJF 2013). Die Bildungsbereiche sind in den einzelnen Bildungsplänen anders benannt. Nach Neuss (BMFSJF 2013, S. 36) lassen sich sieben Kernbereiche herausarbeiten, die in variierenden Benennungen in allen Elementarbildungsplänen zu finden sind:

  • Sprachliche Bildung, Kommunikation und Schrift
  • Mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung und Technik
  • Ästhetisch-kulturelle Bildung und Musik
  • Körper-, Bewegungs- und Gesundheitsbildung
  • Ethisch-religiöse Bildung
  • Lebenspraktische Kompetenzen; Lebenswelt
  • Emotionales und soziales Lernen

An diesen Kernbereichen haben wir uns bei der Strukturierung der Ideen für die Praxis in diesem Materialpaket orientiert. Ergänzend haben wir jeweils Auszüge aus dem Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan zitiert.

Medienbildung aus konstruktivistischer Perspektive

Als Erwachsene haben wir eine recht klare Vorstellung, wie eine gelungene Mediennutzung bei Kindern aussehen könnte: kreativ, selbstbestimmt, gewinnbringend, Alternativen kennend, kritisch. Aber wie lässt sich das vermitteln? „Eintrichtern“ funktioniert nicht, das lehrt der Konstruktivismus. Als Kernaussage des Konstruktivismus könnte man formulieren: „Kinder konstruieren sich ihre Wirklichkeit selbst, sie können nicht gebildet werden, sondern sich nur selbst bilden.“ Erziehende können auf diese Konstruktion nur bedingt Einfluss nehmen. Vielmehr ist es notwendig, eine Lernumgebung zu schaffen, die Kinder im Selbstlernprozess unterstützt … weiterlesen

Zum Weiterlesen / Vertiefen

Medienkompetenzförderung für Kinder und Jugendliche
Eine Bestandsaufnahme. Berlin 2013
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
In dieser Bestandsaufnahme analysieren Medienpädagoginnen und Medienpädagogen die verschiedenen Bereiche, die für die Medienkompetenzförderung von Kindern und Jugendlichen relevant sind: Familie, Kita, Schule und außerschulische Jugendarbeit. Darüber hinaus behandeln sie das Forschungsfeld Medienpädagogik, das Berufsfeld Medienpädagogik sowie die Aus- und Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte. Download

Handbuch Kinder und Medien
Band 1: Digitale Kultur und Kommunikation
Springer Fachmedien Wiesbaden 2014
Angela Tillmann / Sandra Fleischer / Kai-Uwe Hugger (Hrsg.)
Das Handbuch gibt einen aktuellen und umfassenden Überblick zum theoretischen, empirischen und methodologischen Stand der Kindermedienforschung. Berücksichtigt wird, dass Kindheit einem stetigen sozialen und kulturellen Wandel unterliegt, der seit einigen Jahren immer stärker durch die digitalen, multifunktionalen Medien vorangetrieben wird. Ziel des Handbuches ist es, Orientierung für die Forschung und pädagogische Praxis zu geben.

Medienbildung an deutschen Schulen
Handlungsempfehlungen für die digitale Gesellschaft. Berlin 2014
Dr. Frank Wetterich / Martin Burghart / Norbert Rave (Hrsg.)
Die Studie beleuchtet die aktuelle Situation schulischer Medienbildung in den verschiedenen Bundesländern. Sie analysiert die gesellschaftlichen Herausforderungen und Anforderungen an eine zeitgemäße schulische Medienbildung und arbeitet Erfolgsfaktoren und Hindernisse einer erfolgreichen Integration digitaler Medien heraus. Info und Download

Frühe Medienbildung
Natur-Wissen schaffen Band 5. Bildungsverlag 1. Troisdorf 2009
Wassilios Fthenakis (Hrsg.)
Die Handreichung vermittelt Konzepte der Medienbildung, nach denen Kinder mit und über Medien lernen, ohne dass ihre Bedürfnisse nach Spiel, körperlicher Bewegung, sozialer Interaktion und kreativem Ausdruck zu kurz kommen.